wenn fräulein hegemann die literaturcharts stürmt, als poetin gefeiert wird, den angeblichen “nerv der zeit” trifft, weil sie irgendwelche yuppieredakteure mit ihren skandalösen geschichten glücklich macht, nur weil diese eine art von menschen interessant findet, die dinge tun, die sie nie selbst erlebt haben, dann möchte ich mir wenigstens ein kleines stück platz für meine persönlichen literarischen unfälle schaffen - willkommen also. ursprünglich sollte dieser text in einem der hippsten web2.0 portale stehen - also bleiben wir doch direkt dabei. am besten bei all denen, die soziale netzwerke als kostenlose partnervermittlungen benutzen. sind wir mittlerweile schon so weit, dass wir studivz, myspace oder facebook wie kataloge durchblättern müssen, auf der suche nach irgendeiner halbherzigen bindung zum anderen geschlecht? hand auf’s herz, jeder hat sich schon einmal dabei ertappt, mich persönlich möchte ich da nicht ausschließen. aber ist es nicht widerlich, dass wir nicht mehr in der lage sind, andere menschen anzusprechen ohne rot zu werden, uns aber hier gruscheln und grumsen, camchats mit fremden leuten führen, cybersex zelebrieren und uns ständig und auf jede erdenkliche art und weise blamieren müssen? wir leben in einer ziemlich perversen parallelwelt, welche die unsere mehr und mehr ersetzt, die menschen abstumpft und uns nach internetprofilen suchen lässt, wenn man am wochenende einen menschen kennengelernt hat, aber mal wieder nicht den arsch in der hose hatte nach der telefonnummer zu fragen. plumpe anmachen und inhaltslose gespräche überall. blankes desinteresse, wir ignorieren per knopfdruck, präsentieren auf dem profilbild, masturbieren per mausklick, bekommen es aber nicht auf die reihe, unseren mitmenschen eine ehrliche meinung ins gesicht zu sagen. mir wurde einmal erklärt, dass beziehungssuche im internet größtenteils von proletarischer nutzung definiert wird, was ich für unsinn halte - aber umso schockierender ist, dass mitglieder jeder sozialen schicht auf kommunikativer ebene durch und durch gelähmt sind. wir schreiben mails anstatt telefonate oder gespräche zu führen, wir chatten, lernen 24/7 menschen kennen, online. und stottern uns dann gegenseitig beim essen mit unsinn über unsere neuen communityerfahrungen voll. das horst eine neue freundin über facebook gefunden hat. war die kunst zwischenmenschlicher beziehungen nicht, dass sie sich entwickeln müssen, nicht mit dem festen ziel einer solchen entstehen sollten? dass man partner nicht “findet”? dass man nicht wie an eine beziehung rangehen sollte, sondern eher wie an ein gutes buch, wo du scharf auf das nächste kapitel bist, allerdings auch angst hast weiterzulesen, weil du dich dem ende nähern könntest. und was tun wir?
wir ziehen unsere katalognummer durch und halten weiterhin unsere halbnackten körper in irgendwelche webcams um uns im nachhinein zu beschweren, wieviele freaks einem schreiben.
es mangelt uns also nicht an ironie.
deswegen schreibe ich schließlich einen blog – und kein verdammtes buch.